Das Chinesische Neujahr 2019

Der berühmte chinesische Dichter Wang Wei schrieb einmal: "Wer ganz alleine in einem fremden Land lebt, der bekommt an Feiertagen doppelt so viel Heimweh." Für Chinesen zählt das Chinesische Neujahr zu solch einem Feiertag und ruft die Sehnsucht nach der Heimat hervor.

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Kurz nach der Gründung der Volksrepublik China 1949 entschied sich die chinesische Regierung, den international verbreiteten gregorianischen Kalender ins Land einzuführen und ihn als offiziellen Kalender des Staates zu verwenden. Auf den traditionellen chinesischen Kalender, heute meist als "Bauernkalender" bezeichnet, wird allerdings nicht verzichtet. Bis heute werden viele gesetzliche nationale Feiertage in China nach dem Bauernkalender bestimmt. Beispielsweise das Qingming-Fest, das Drachenbootfest, das Laternenfest und der Schwerpunkt dieses Artikels: das Chinesische Neujahrsfest, auch bekannt als “Frühlingsfest”. 

Das Frühlingsfest wird in China seit mehr als 4000 Jahren gefeiert. Ähnlich wie Weihnachten in Deutschland ist das Frühlingsfest das wichtigste traditionelle Fest in China. Es spielt in der traditionellen chinesischen Kultur eine große Rolle und ist tief im Innersten der Chinesen verwurzelt. Sobald das Frühlingsfest vor der Tür steht, kehrt man nach Hause zurück, egal ob man sich im Süden oder Norden des Landes befindet,  um das Neujahrsfest gemeinsam mit der Familie zu feiern. Und so ist der Begriff "Chunyun" entstanden, welches das stark erhöhte Verkehrsaufkommen während der Feiertage beschreibt. In der langen Geschichte Chinas hat das Frühlingsfest von den Menschen eine tiefgreifende Konnotation erhalten. Zu diesem Anlass sind mittlerweile viele volkstümliche Sprüche und Glücksworte entstanden, die den lokalen Gegebenheiten und Bräuchen entsprechen und die Lebenserfahrung und die schöne Vision des Volkes widerspiegeln. Anlässlich des Beginns des Frühlingsfestes möchte ich ein paar interessante Bräuche erläutern, den Spaß am Frühlingsfest mit euch teilen und dadurch hoffentlich das Heimweh lindern.

Zeit des Chinesischen Neujahrsfests

Das chinesische Neujahr berechnet sich nach dem chinesischen Bauernkalender und ist daher, nicht wie nach dem gregorianischen Kalender, jedes Jahr gleich. 2019 ist es am 5. Februar soweit . Das Fest beginnt nach dem chinesischen Kalender am 01. Januar (05.02.2019) und dauert etwa 15 Tage bis zum Laternenfest am 15. Januar (19.02.2019). Nach volkstümlicher Tradition beginnt das Frühlingsfest allerdings bereits am 23. Dezember (nach dem Bauernkalender) und erreicht seinen Höhepunkt am Silvesterabend und am ersten Tag des neuen Jahres.

 

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Warum wird das Neujahrsfest gefeiert?

In der chinesischen Volkskultur wird das Frühlingsfest auch als "Guo Nian" (das Jahr beenden) bezeichnet. Es gibt in China viele Legenden über das Neujahrsfest. Eine davon besagt, dass es ein bösartiges Monster namens "Nian" gibt. Es erwacht am Ende eines Jahres aus seinem Tiefschlaf  und frisst hungrig überall Tiere und Menschen. Das Monster fürchtet sich jedoch sehr vor der Farbe Rot und vor Lärm. Darum dekorieren Chinesen ihre Häuser rot und machten so viel Lärm wie möglich, um sich vor dem Monster zu schützen. Um die Vertreibung des Monsters zu feiern, schmücken Chinesen bis heute zu Neujahr ihre Häuser in rot und machen möglichst viel Lärm, indem sie z. B. Böller anzünden. Mit der Zeit sind rote Dekorationen, Kleidung und Feuerwerke ein Muss für das Neujahr geworden. Der folgende Volksspruch verdeutlicht, wie gerne Chinesen Böller und Feuerwerke zum Frühlingsfest anzünden und wie viel Bedeutung sie dieser Aktivität zuschreiben: 

"Das neue Jahr ist gekommen, lass es krachen: ein Mal Krach bringt dir Glück; zwei Mal Krach vertreibt die Sorgen; das dritte Mal vertreibt deine Schwierigkeit; das vierte Mal bringt Reichtum mit; das fünfte Mal verspricht ein hohes Gehalt; das sechste Mal bringt Gesundheit mit; das siebte Mal sorgt für gute Laune; das achte Mal steht für Frieden; das neunte Mal ist ein Segen Gottes; das zehnte Mal ist die Garantie für eine gute Karriere!"

Neben den vielen Geschichten und Sagen sind noch zwei wichtige Gründe erwähnenswert, warum die Chinesen das Neujahr feiern: Als erstes möchte man sich mit der Familie treffen, als zweites sieht man das Fest als einen guten Zeitpunkt zur Verabschiedung des zurückliegenden Jahres und zur Planung des neuen Jahres.

 

 

Die traditionellen Bräuche

Menschen in verschiedenen Regionen Chinas feiern das Frühlingsfest auf unterschiedliche Weise. In meiner Heimat gibt es ein Volkslied, das die Bräuche der Menschen in Ost-Henan während des Frühlingsfestes lebendig beschreibt. Ich fasse die Bedeutung hier zusammen:

  • am 23. Dez.: den Küchengott anbeten. Der Küchengott ist ein wichtiger Gott der chinesischen Hausgötter. Einer Sage zufolge fliegt er ein Mal im Jahr vor dem Jahresende zum Jadekaiser im Himmel und berichtet ihm über das, was er von der Familie weiß. Danach bestimmt der Jadekaiser das Schicksal der Familie für das nächste Jahr. Damit der Küchengott beim Jadekaiser nur gute Sachen über die Familie erzählt, kocht jede Familie in dieser Zeit für ihn etwas Leckeres. 
  • am 24. Dez.: das Haus reinigen. Jede Familie fegt an diesem Tag das Haus und macht überall sauber. Diese Grundreinigung zeigt einerseits die hohe Aufmerksamkeit, die die Menschen dem Frühlingsfest schenken, andererseits bedeutet es auch die Beseitigung von "alten, schlechten Sachen".
  • am 25. Dez.: Tofu mahlen. Tofu ist ein Nahrungsmittel, das der Durchschnittsbürger oft zu Hause isst. Es ist teurer als gewöhnliches Gemüse, aber preisgünstiger als Fleisch. Des Weiteren ist er reich an Nährstoffen und auch sehr vielfältig zuzubereiten, daher ist er sehr beliebt.
  • am 26. Dez.: Schweine schlachten und Fleisch kaufen. Früher waren die Normalbürger sehr arm, und es gab viele Kinder in der Familie. Oftmals konnte man nur während des Frühlingsfestes Fleisch essen, deshalb wurde das Fleisch auch "jährliches Fleisch" genannt. Die Schweine wurden bis zum Ende des Jahres von der Familie gemästet, dann ist es an der Zeit, dass sie auch etwas für die Familie tun und ihr Fleisch anbieten. Wenn man keine Schweine zu Hause hat, geht man auf den Markt und besorgt sich dort ein Stück Fleisch.
  • am 27. Dez.: Hühner töten. Früher hielten die Bauern in jedem Haushalt Hühner. Wenn man kein Geld hatte, um Schweinefleisch zu kaufen, hat man ein Huhn getötet. Man sollte etwas Fleisch für das Fest vorbereiten, sonst wäre es nur halb so schön.
  • am 28. Dez.: das Haus dekorieren. An diesem Tag  werden Warenhäuser, öffentliche Gebäude, Bürogebäude und Straßen mit roten Laternen, roten Glücksbringern und roten Versen dekoriert. Privat heftet man rote Verse und Türgötter an Türen... In der chinesischen Kultur ist die Farbe Rot mit Glück und Freude verbunden und gilt allgemein als vielversprechend.
  • am 29. Dez.: die Deko der Nachbarn ansehen. Gestern (28. Dez.) wurde überall dekoriert, heute möchte man die Ergebnisse sehen und vergleichen, welche Familie es am besten gemacht hat.
  • am 30. Dez.: Dumplings machen. Dumplings sind ein Muss für das Neujahr. Man sagt, dass die Chinesen während des Neujahrsfestes jeden Tag Dumplings essen und das ist sogar nicht übertrieben. Am 30. Dezember macht man normalerweise viele Dumplings, packt sie in den Kühlschrank und bereitet sie in den folgenden Tagen immer wieder zu.

 

Der Höhepunkt des Frühlingsfestes

  • Vorabend des Neujahrs: Am Vorabend des Neujahrs bleibt man gerne lang auf oder schläft einfach die ganze Nacht nicht. Um wach zu bleiben, sitzt die ganze Familie zusammen, unterhält sich, isst etwas und schaut gemeinsam die CCTV Neujahrsgala "Chunwan" im Fernsehen. Die jährliche Sendung beginnt um 20:00 Uhr und dauert 4 Stunden bis zum Beginn des neuen Jahres. Nach der Sendung können 1,3 Milliarden Chinesen praktisch zusammen das neue Jahr begrüßen.
  • Der 1. Januar (das Neujahr): An diesem Tag stehen chinesische Kinder sehr früh auf. Sie ziehen neue Kleidung an und rennen dann zu den Großeltern, sowie anderen Verwandten, um ihnen zum Neujahr zu gratulieren und rote Umschläge zu erhalten. Die roten Umschläge enthalten Geld. Man sieht sie als Symbol für viel Glück für die Kinder an. Da heutzutage fast jeder ein Smartphone besitzt, ist es üblich, rote Umschläge per WeChat zu verschenken und Glückwünsche über das Netz zu senden. Das Abendessen an diesem Tag ist auch sehr wichtig. Dabei sitzen die Familien mit mehreren Generationen rund um einen Tisch, genießen das Essen und die Zeit zusammen.

 

 

Ab dem 2. bis zum 15. Januar besucht man Verwandte und Freunde. Und mit dem Laternenfest am 15. Januar setzt man einen schönen Abschlusspunkt für das Neujahresfest. Beim Schreiben dieses Artikels fällt mir ein, wie ich früher das Frühlingsfest mit meiner Familie verbracht habe: Mit meinem Vater das Haus dekorieren, mit meiner Mutter Dumplings machen und mit meinen Geschwistern spielen und streiten..... Jetzt ist Papa bereits im Himmel und wir können uns auf der Erde nicht mehr treffen. Aber die Erinnerungen an die vergangenen Jahreswechsel lassen nicht nach, und die gegenseitige Liebe, sowie die Unterstützung innerhalb der Familie hört nie mehr auf.

Danke für das Lesen, bis zum nächsten Mal!

Jingmin Yan und das alugha Team! 

#alugha

#doitmultilingual

#everyone‘slanguage

Ganz toller Artikel! Danke dafür Jinmin!

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