Sprachportraits -- Teil 4: Isländisch

Mit der dunkler werdenden Jahreszeit, ist es Zeit auf die Sprachen, in nördlicher gelegenen Ländern zu schauen. Schauen wir heute also nach Island, auf ein Land, das seit der letzten Dekade zahlreiche Menschen begeistert und in dem eine Sprache gesprochen wird, die ebenso fasziniert: Isländisch

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Als ich vor einigen Jahren anfing mich für Island und das Isländische zu interessieren, wurde ich belächelt. Aber mittlerweile sind Island und die isländische Sprache richtig in Mode. Die raue und zugleich romantische Landschaft aus heißen Quellen, Eis, Vulkanen und Geysiren bezaubert eben fast jedes Gemüt, ebenso faszinieren die Pferde, die Polarlichter und die Mythen über Trolle und Elfen.  

Isländisch wird oftmals als schwer zu erlernen empfunden, ihr Klang jedoch als schön. Schauen wir uns das also einmal genauer an.

Isländisch – ein paar einleitende Zahlen und Fakten 

  • nordgermanische Sprache

  • ~ 300 000 Sprecher:innen

  • Das heutige Isländisch geht auf das Altisländische zurück

  • Die ersten Siedler auf Island stammten zu einem großen Teil von der der Südwestküste Norwegens. Aus diesem Grunde unterschieden sich das Altisländische und das Altnorwegische nur marginal. 

  • Danach entwickelte sich das Isländische weitestgehend isoliert. Selbiges gilt für das Färöische.

  • Das Isländische weißt nur wenige Dialekte auf und diese unterscheiden sich zumeist nur phonetisch-phonologisch 

Reichtum und Purismus

Der isländische Wortschatz ist reich und sehr differenziert. Dies zeigt sich zum Beispiel bei Wörtern aus der Tierwelt.

  • “Lamm” kann mit  gimbill oder gimbur übersetzt werden, je nachdem, ob es ein männliches oder ein weibliches Lamm ist. 

  • Auch der Seehund kann verschieden übersetzt werden, je nachdem, ob es sich um ein Männchen (brimill) oder ein Weibchen (urta) handelt. 

Allerdings ist ein diverser Wortschatz in der Tierwelt in vielen Sprachen üblich. Interessant wird es beim Wort “gefleckt”, das im Isländischen ein anderes ist, je nachdem auf welches Tier es sich bezieht: skjöldóttur ist eine gefleckte Kuh, felkkóttur ein geflecktes Schaf, skjóttur,  wenn es sich auf ein Pferd bezieht.  

Eine weitere Besonderheit des isländischen Wortschatzes ist der Sprachpurismus. Hierbei soll die Zahl an Entlehnungen aus anderen Sprachen möglichst gering gehalten werden. Neue Bezeichnungen werden aus dem vorhandenen Wortschatz kreiert. Das hierfür bekannteste Beispiel ist das Wort tölva (“Computer”), das aus den Wörtern tala (Zahl) und völva (Wahrsagerin) kreiert wurde. Allerdings ist auch im Isländischen ein Anstieg an Anglizismen zu beobachten, der sich nicht komplett aufhalten lässt.     

Kurz etwas zur Phonetik und Phonologie

Natürlich sind die Laute maßgeblich für den Klang einer Sprache verantwortlich. Das Isländische verfügt über ein großes Phoneminventar. Betont wird grundsätzlich auf der ersten Silbe, was der Sprache ein gewisses rhythmisches Muster verleiht. 

Ein kleines Spiel noch hier am Rande: Wer zuerst “Eyjafjallajökull” richtig ausspricht, hat gewonnen.

Grammatik

Dies ist vielleicht auch der Teil, der die isländische Sprache so schwer macht. Isländisch ist eine stark flektierende Sprache mit vier Kasus, drei Genera, dem bestimmten Artikel, aber keinem unbestimmten. Nomina und Adjektive flektieren nach Genus, Numerus, Kasus und Definitheit. Isländisch ist somit stärker flektierend als Deutsch. Verben werden nach Zeit, Modus, Person, Voice und Numerus flektiert. 

Isländisch ist eine V2-Sprache. Das bedeutet, dass das Verb stets an zweiter Stelle steht. Alle anderen Konstituenten kann man beliebig vertauschen. Dies entspricht der Wortstellung des deutschen Hauptsatzes. Im deutschen Nebensatz steht das Verb jedoch am Ende. Dies ist im Isländischen nicht der Fall. In isländischer Poesie findet man jedoch auch andere Wortstellung. Lyrik ist allerdings in sehr vielen Sprachen ein Sonderfall. 

Was für Isländisch-Lerner:innen erst einmal sonderbar klingen mag, ist der quirky case. Hierbei handelt es sich um einen Fall von lexikalischem Kasus, bei dem Ergänzungen in einem Objektkasus Eigenschaften von Subjekten annehmen. Lange dachte man Isländisch sei die einzige Sprache, die dieses Phänomen gebrauche, aber heutzutage weiß man, dass es eine Reihe von Sprachen gibt, die quirky cases haben. 

 

Was möchtest du noch zum Isländischen wissen?

 

#alugha

#everyoneslanguage

#multilingual

 

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Isl%C3%A4ndische_Sprache (04.11.2021, 13:59)

https://de.wikipedia.org/wiki/Lexikalischer_Kasus (04.11.2021, 14:00)

https://en.wikipedia.org/wiki/Icelandic_grammar (04.11.2021,13:59)

https://en.wikipedia.org/wiki/Quirky_subject (04.11.2021, 14:01)

 

 

Foto von Mads Thomsen von Pexels

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