#instafake

Likes, Kommentare und viele Follower - zweifelsfrei Dinge, die heutzutage zählen. Die Diskussion über (Fake)Realität auf sozialen Netzwerken könnte hitziger momentan nicht sein.

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Eventuell den Stein ins Rollen gebracht hat Essena O’Neill, ein 19-jähriges Model mit über einer halben Million Follower. Im November letzten Jahres erzählt sie der Welt “die Wahrheit” - sie berichtet über ihre inszenierte Realität auf Instagram. Stundenlange Fotoshoots für das perfekte Bild, stundenlange Bearbeitung für das noch perfektere Bild, stundenlanges Vor-dem-Smartphone-sitzen-und-auf-Likes-warten. Nur das, so O’Neill, gab ihr das Gefühl, geliebt zu werden. Doch das sei nicht real, sagt sie. Es sei nicht real, nur Fotos zu zeigen, die mit dem Ziel, perfekt auszusehen, geschossen worden sind. Real sei stattdessen, dass das Ziel, immer perfekt zu sein nur dazu führt, unglücklich zu werden. 

Schuldig 

Und doch tun wir es alle: Wir alle laden Fotos hoch, die uns in einem bestmöglichen Licht präsentieren. Problemzonen werden kaschiert, die Schokoladenseiten zur Kamera gedreht und erst dann wird der Auslöser gedrückt. Der ein oder andere geht sogar so weit, dass Fotos, die nicht genug Likes bekommen, wieder gelöscht werden. Es ist also auch unser Ziel, möglichst gut auf unseren Fotos auszusehen. Paradoxerweise scheint der hashtag #nofilter dem Bild aber noch mehr Like-Potenzial zu verleihen, weil er suggeriert, dass man für dieses “perfekte” Bild eben gar keinen Filter benötigt. Über 150 Millionen Instagram-User haben #nofilter bereits benutzt, was teilweise ironisch wirkt, wenn man sich die Fotos dazu ansieht. 

Fakt ist jedoch auch, dass diese scheinbar makellosen Fotos Teil des Berufs sind. Ohne Social Media Account kann man heute als Model, Sänger, Schauspieler oder sogar Politiker kaum erfolgreich sein. Ein Stück Privatheit gehört dazu und wird von jedem gefordert, der in der Öffentlichkeit steht. Auf O’Neills Seelenstriptease folgte eine weltweite Welle von Solidarität. Auf das Ende ihres Videos, in dem sie erklärt, warum sie ihren Instagram und auch sonst alle Social Media Accounts nicht mehr nutzen werde, eine Spendenaufforderung. Das Model gibt zu, ohne Social Media nicht mehr selbst für Miete und Verpflegung aufkommen zu können und bittet jeden, das zu spenden, “was es ihm wert ist”. O’Neill wurde für ihren Beitrag jedoch auch stark kritisiert: Sie strebe nur nach Aufmerksamkeit, wolle so ihre Karriere ankurbeln und nutze Social Media, um Social Media schlecht zu machen. Was jedoch sicher ist: Sie hat eine Entscheidung getroffen, und die sollte jeder treffen. 

Jeder wie er will 

Letztendlich bleibt es also jedem selbst überlassen, wie realitätsnah oder -fern er sich auf Instagram, Facebook und anderen sozialen Netzwerken präsentieren will. Vielleicht könnte man jedoch damit beginnen, “was” Instagram überhaupt ist. Nämlich ein Online-Dienst zum Teilen von Fotos und Videos, keine Abbildung der Realität. Die Entscheidung, sich selbst mit zahlreichen Bearbeitungsschritten dünner, attraktiver, brauner oder jünger zu machen, kommt spätestens dann auf einen selbst zurück, wenn man jemandem im realen Leben gegenübertritt - und da ist man gezwungenermaßen #nofilter! :-)

Wir wünschen euch eine schöne Woche! 

Euer alugha Team :-)

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