Erste Schritte raus aus der Depression - Teil 1

Jeder Entscheidung in unserem Leben liegen Aspekte in unserem Unterbewusstsein zu Grunde. Wenn es etwas gibt, das dich besonders aufregt oder auch kalt lässt, könnte es an einer unterdrückten Emotion liegen, die dir vielleicht überhaupt nicht bewusst ist. Das könnte auch der Grund für ständige Unzufriedenheit, ungesunde Beziehungen mit Freunden oder Familienmitgliedern sein.

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Mit Depressionen kämpfen

Ich bin einmal innerhalb weniger Wochen durch meine Prüfungen gefallen und wurde wegen einer SMS von meiner Freundin verlassen. Außerdem sollte ich kurze Zeit später meinen Militärdienst antreten und es versteht sich von selbst, dass mich diese Ereigniskette in eine kurze depressive Phase führte. 

Ich bat Freunde und Familie um Rat, am Ende hörte ich allerdings oberflächliche oder wertende Ratschläge:

"Denke einfach nicht so viel darüber nach" "Du solltest spiritueller werden. Das ist dein Problem, Marcus" "Du zerbrichst dir zu sehr den Kopf darüber".

Ich las Arbeiten über Psychotherapie, erkannte die Vorteile und stürzte mich darauf. Es war mir egal, was andere über mich dachten. Stigma? Gut. Unorthodox? Noch besser. Ich habe nie an das unwissenschaftliche NLP (Neuro-Linguistic Programming) geglaubt, eigentlich hasse ich diese oberflächlichen Selbsthilfe-Ratschläge sogar. Ich brauche etwas konkreteres, etwas auf wissenschaftlicher Basis. Okay, Psychologie ist keine stichfeste Wissenschaft. Das ist mir bewusst. Aber es kommt am nächsten dran. 

Mit 21 Jahren habe ich meine Psychotherapie angefangen. Im Nachhinein habe ich jedoch die Vorteile der Psychotherapie bis zu meinem dritten Jahr nicht ernst genommen. Denn ich besuchte meine Therapiestunden mit der "Ich weiß Bescheid"-Einstellung: 

"Ja, ich habe darüber gelesen. Ich kenne mein Problem."

Dein Problem zu begreifen und / oder zu verbalisieren ist eine Sache, es allerdings zu verarbeiten und abzuschließen ist eine ganz andere Geschichte. 

Brauchst du eine Therapie?

Ich habe hier eine sehr hilfreiche Checkliste von Mark Mansons Artikel geklaut, wenn du heraus finden möchtest, ob eine Therapie gut für dich wäre:

  • Du hast emotionale oder sexuelle Impulse, die du nicht kontrollieren kannst, Wutausbrüche, Angst vor Intimität, Angst vor Sexualität, depressive Phasen, etc. 
  • Du hattest eine schwierige Kindheit, deine Eltern waren abwesend oder die Beziehung war schlecht. 
  • Du hast große Rückschläge erlitten (Tod eines Geliebten, Missbrauch, massive Gesundheitsprobleme, usw.)
  • Du hast zwanghaftes Verhalten, das andere Bereiche deines Lebens stört: z. B. Drogen-/Alkoholmissbrauch, usw.
  • Die Mehrheit deiner Beziehungen funktioniert nicht oder ist ungesund (viel Streit, viel Schuldzuweisungen, usw.). Sowohl bei deinen Freundschaften, guten Bekannten, Familienmitgliedern. 
  • Du bist überbesorgt bei manchen Dingen. Gängige Beispiele sind Menschen, die besessen davon sind, "cool" oder beliebt zu sein, andere beeindrucken zu wollen, ein ständiges Bedürfnis nach Bestätigung zu haben und den ständigen Drang sich verbessern zu müssen (das Gefühl haben, nie gut genug zu sein), usw. 

 

 

 

So kommst du raus aus einer Depression: Die Vorteile einer Psychotherapie

Ich behaupte, dass viele Menschen, die in verschiedenen Bereichen ihres Lebens Probleme haben, ob in Beziehungen oder persönlichen Finanzen, ein unverarbeitetes Problem aus der Vergangenheit haben. Sie haben Traumata erlebt, schwierige Kindheiten gehabt und andere negative Erlebnisse, die sie nicht aufgearbeitet haben und / oder derer sie sich gar nicht bewusst sind. Stattdessen rennen sie künstlichen Lösungen nach und ignorieren ihre eigene emotionale Realität. 

Ich konnte z. B. sehr charmant zu Frauen sein, an denen ich emotional nicht besonders interessiert war. Es war egal, ob sie heiß waren oder nicht, solange ich keine Gefühle für sie hatte. Ich konnte "performen". Wenn ich allerdings Gefühle für eine Frau hatte, würde ich es auf verschiedenen Wegen versauen. 

Durch eine Therapie wirst du gezwungen bessere Fragen zu stellen: 

  • Warum wirst in Gegenwart dieser attraktiven fremden Person nervös?
  • Warum kümmert es dich so sehr, was andere über dich denken?
  • Warum vermeidest du Verpflichtungen?
  • Warum glaubst du für einen Person, die du wirklich magst, nicht gut genug zu sein, während es okay für dich ist mit einer Person zusammen zu sein, die du ganz nett findest?
  • Warum misst du dich an bestimmten Erfolgen / sexuellen Errungenschaften und nährst dein Selbstwertgefühl daraus?

Hier steckt allerdings auch ein unvermeidbares Dilemma: wenn du dich konstant verbessern möchtest, bedeutet es nicht gleichzeitig, dass du derzeit nicht gut genug bist?

Psychotherapie kann dir bei Folgendem helfen:

  • zu verstehen wie traumatische Erlebnisse deiner Vergangenheit deine Fähigkeit zu Bindung beeinflussen, die wiederum die Qualität deiner Beziehungen definiert.
  • heraus zu finden warum du zu kritisch mit dir bist (war ein Elternteil von dir vielleicht sehr kritisch mit dir?).
  • die Wurzel deines Mangels an Motivation, deiner Wut oder Gleichgültigkeit zum Leben zu finden.
  • deiner unterbewussten negativen Gedanken bewusst zu werden, wie du dich unterbewusst mit anderen vergleichst und anderer unbewusster Mechanismen.
  • zu erkennen wie du dich selbst sabotierst (nicht für Prüfungen zu lernen und die Nacht davor feiern zu gehen). Das könnte an einer Angst zu scheitern aus deiner Kindheit liegen. 

Natürlich gibt es noch haufenweise weitere Vorteile, diese haben mir in meinen Leben geholfen. 

Durch Therapie fängst du an in deiner Vergangenheit zu graben, deiner emotionalen Entwicklung, deiner Kindheit. Vielleicht findest du dich immer in nicht funktionierenden Beziehungen wieder oder wirst unkontrollierbar wütend, wenn jemand dich wegen einer Kleinigkeit kritisiert. Dahinter könnten eine ungelöste Emotion oder unbewusster Glaube stecken. 

Vielleicht war dein Vater sehr abwesend und du hast es ihm all die Jahre übel genommen. Dieser unbewusste Ärger sorgt für einen Mangel an sexuellem Selbstvertrauen gegenüber dem anderen Geschlecht. Vielleicht hast du dein Leben lang Verpflichtungen vermieden, weil sich deine Ex-Freundin das Leben genommen hat. Vielleicht mangelt es dir an Selbstvertrauen in deinem Sozialleben, weil du als Kind gehänselt und gemobbt wurdest. 

Es gibt viele Gründe, die zusammenhängen und unsere Psyche funktioniert nicht wie ein Algorithmus, aber du verstehst worauf ich hinaus will. 

Ich dachte immer Psychotherapie ist ein Prozess, bei dem man alles auf einer Couch raus schreit. Irgendwann kam ich schließlich dahinter, dass es auch dazu gehört sich durch negative Gefühle zu arbeiten, wie Ekel, Scham, Ärger, Wut, eiskalte Bitterkeit, Verachtung und Hass. In der Psychotherapie kannst du dich in einer sicheren Umgebung durch den Ärger und Schmerz arbeiten. Wenn du dich dieser Gefühle bewusst wirst, kannst du größere Kontrolle über dein Verhalten erreichen. 

 

 

Am Donnerstag geht's mit Teil 2 weiter! 

 

Über den Autor

Marcus Neo ist ein Unternehmer und Coach. Er schreibt gerne über Dating, Beziehungen, Business und Psychologie. Introvertiert dennoch extrovertiert. Mag Martial Arts und Musik, kommt allerdings nie zu letzterem.

 

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