Vimeo: Kunst vs. Kommerz

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Im World Wide Web existieren zahlreiche Videoplattformen, die sich in ihrer Ausrichtung und in ihrer Zielgruppe maßgeblich unterscheiden. Eine davon ist Vimeo. Im Vergleich zu einer großen Plattform wie YouTube kann sie natürlich nicht ansatzweise so hohe Nutzerzahlen verzeichnen wie der Internetriese. Dennoch hat das Portal durchaus seine Reize: es steht für Kreativität und Ästhetik. Vimeo bedient hauptsächlich eine ganz andere Zielgruppe als YouTube. Seine Ausrichtung richtet sich vornehmlich an Producer, die aus dem Bereich Kunst und Kultur kommen, in der Regel legen auch die Nutzer einen hohen Anspruch auf Videos aus diesen Bereichen. Dieser Hinweis ergibt sich schon aus dem Namen: Vimeo ist nämlich ein Anagramm des Wortes movie. Und was viele nicht wissen: die Plattform ist genau wie YouTube gerade 10 Jahre alt geworden. Sie wurde im November 2004 von Filmschaffenden rund um den Kreativen Jake Lodwick in New York gegründet, zwei Monate vor dem Konkurrenten YouTube. Wer Kunden aus dem Kreativbereich erreichen möchte oder Filmschaffender ist, der ist hier auf jeden Fall richtig. Wer seine Videos an die breite Masse richten will, der sei an YouTube verwiesen. Bei Vimeo werdet ihr jedenfalls keine OMG-Smartphone-Videos von nackten Hintern sehen. Natürlich finden sich hier auch Musikclips, die großen Plattenfirmen versuchen ja auch ihre Videos überall zu vermarkten. Daneben lassen sich auch professionell produzierte Videoanleitungen und Online-Kurse besuchen, die gegen einen Aufpreis genutzt werden können. Für den normalen Nutzer/Betrachter sei gesagt: Die Plattform kann ohne Anmeldung genutzt werden. Einfach den Titel in die Suchmaske eingeben und los geht’s.

Die Features

Wer die Nutzer der Plattform an seinen Videos teilhaben lassen möchte oder selbst aktiv dabei sein will, der muss sich registrieren. Nach der Anmeldung ist es möglich Angaben zur eigenen Person und zum Wohnort zu machen oder Fotos hochzuladen - oder eben auch, tatatataaaa, Videos hochzuladen. Hier gilt es einige Faktoren zu berücksichtigen. Denn Vimeo setzt auf ein anderes Prinzip als der Videoriese YouTube. Letzterer verspricht seinen Usern enorme Reichweiten und die Möglichkeit mit Videoinhalten Geld zu verdienen. Bei Vimeo ist die Sachlage anders. Will man Videoinhalte hochladen, muss man Geld zahlen. Dafür entfällt dann allerdings auch die lästige Werbung. Direkt nach der Anmeldung erhält man ausführliche Infos über die verschiedenen Accountmöglichkeiten. Natürlich ist es möglich Channels zu abonnieren, zu liken oder zu kommentieren. Via Sharing-Funktion lassen sich die Filmchen auch einfach im eigenen Blog einbetten oder auf den sozialen Plattformen posten.

Basic:

Kostenlos ist lediglich der Basic-Account. Mit einem Uploadvolumen von 500 MB und einem HD-Video pro Woche hat man keinen großen Handlungsspielraum. Der Account empfiehlt sich also nur für kleine Videofische. Ein weiterer Nachteil ist die Bannerwerbung, mit der Vimeo die kostenlose Mitgliedschaft dann offensichtlich wieder kompensiert. Aber probieren geht ja bekanntlich über studieren und ein Upgrade ist schließlich immer möglich. Wer mehr Möglichkeiten nutzen möchte, der kann zwischen zwei weiteren Accounts wählen.

Plus:

Ein Plus-Account kostet im Jahr 49,90 €. Dafür liegt das wöchentliche Uploadvolumen aber auch bei 5 GB, das ist schonmal eine ganze Ecke mehr als bei der Basismitgliedschaft. Bis zu dieser Uploadhöhe können auch HD-Videos hochgeladen werden. Ein weiteres cooles Feature ist die Individualisierung des Players. Da ihr bezahlt, entfällt auch die Bannerwerbung. Wer bezahlt, erkauft sich auch das Recht Statistiken einzusehen, also Daten zu analysieren und kommt in den Luxus eines priorisierten Hilfesupports.

Pro:

Mit 159,90 € pro Jahr schlägt der Pro-Account ganz schön zu Buche. Er richtet sich explizit an Kreativschaffende, die sich mit Hilfe von Vimeo ein umfangreiches Firmenprofil erschaffen wollen. Die Videos unterliegen dabei außerdem keiner Längenbegrenzung. Mit einem jährlichen Volumen von 1000 GB ist der Speicherplatz damit allerdings auch 4 Mal höher als bei der Plusmitgliedschaft. Auch die anderen Features können sich durchaus sehen lassen: so gibt es einen 24-Stunden VIP-Support. Für Producer eröffnet die Mitgliedschaft zudem die Möglichkeit Inhalte per Vimeo-on-Demand-Service zu verkaufen. Das heißt: Nutzer können hochwertige Inhalte kaufen, um sie anzusehen.

Gegen den Strom schwimmen

In jüngster Zeit hatte besonders YouTube mit zahlreichen Urheberrechtsklagen zu kämpfen. Vimeo schwimmt auch in dieser Hinsicht gegen den Strom. Die Videoplattform setzt auf ihre eigenen Regeln. Wer als Producer ein Video hochlädt, der muss nachweislich Urheber des Inhalts sein. In Ausnahmefällen dürfen Dritte Videos hochladen, wenn sie die Berechtigung dazu vom Urheber erhalten haben. Auch Schleichwerbung wird bei Vimeo gar nicht gern gesehen. Wer also Werbung in seine Videos einbaut, muss damit rechnen, dass diese gesperrt werden. Durch diese Philosophie sollen die User vor lästigem Spam geschützt werden. Finden wir irgendwie ziemlich cool. Auch Film-, TV-, Musik-, oder Gameauschnitte sind nicht zulässig. Da wird schnell deutlich: GEMA-Probleme wie beim Konkurrenten YouTube tauchen gar nicht erst auf. Die Frage ist allerdings wie gewissenhaft diese Regeln auch überprüft werden. Laut Vimeo werden die Inhalte nur stichprobenartig überprüft. Das Vertrauen liegt bei der gegenseitigen Kontrolle durch die Community.

Kein Videoprofi - kein Problem

Ein wirklich tolles Feature zeigt sich mit der Vimeo Videoschool. Wer gerade erst mit dem Produzieren von Videos beginnt, erhält hier wertvolle Tipps und Tricks, um die Inhalte zur Zufriedenheit zu gestalten. Auch Fortgeschrittene oder Filmprofis können durch die Tutorials noch dazulernen oder sich in der Community austauschen. Regelmäßige Contests ermöglichen es, das eigene Können zu zeigen. Mit dem Enhancer on Vimeo-Service lassen sich die eigenen Stücke mit einem Soundtrack oder Soundeffekten optimieren. Neben diesen Diensten gibt es auch noch zahlreiche andere Tools, die es ermöglichen mehrere Videos gleichzeitig zu verwalten, Freunde einzuladen oder einzustellen, was man im eigenen Newsfeed sieht. Wer keine Kamera, sondern nur ein Smartphone zur Hand hat, kann mit Hilfe der Cameo-Funktion trotzdem tolle, künstlerische Videos erstellen.

Wo liegen die Vorteile?

Producer erhalten, wie schon beschrieben, die Möglichkeit ihre Videos über Vimeo-on-Demand den Nutzern anzubieten. 90 Prozent der Einnahmen gehen an den Urheber des Videos, 10 Prozent an Vimeo. Allerdings können Videoschaffende ihre Inhalte erst ab einem Pro-Account vermarkten. Nutzer erhalten den Vorteil Filme zu sehen, an die sie normalerweise sonst nicht herangekommen wären. Wer besonders begeistert von den Inhalten ist, die er sieht, kann dem Anbieter des Videos einen so genannten Tip Jar geben. Im Grunde genommen ist das nichts anderes als die Möglichkeit, Trinkgeld zu geben. Durch einen Klick auf den Button bekommen die Produzenten einen kleinen Extraverdienst, und, was nicht zu verachten ist: Anerkennung!

Kunst vs. Kommerz - was passt besser?

Als Producer ist es vor allem wichtig zu unterscheiden, was man will. Will man lieber viele Menschen erreichen oder die Richtigen. Natürlich ist ein Anbieter wie YouTube unumstritten die populärere Plattform. Hier wird die Reichweite immer höher sein wenn es darum geht, möglichst viele Nutzer zu erreichen. Auf der anderen Seite ist zu bedenken, dass Videos auf einer dermaßen großen Plattform auch schnell untergehen können. Vimeo hat mit Sicherheit eine geringere Reichweite und macht die produzierten Videos vielleicht nicht unbedingt zum viralen Hit. Aber: wer sich nur an ein bestimmtes Publikum richtet oder sein eigenes Portfolio vermarkten will, der ist bei absolut Vimeo richtig aufgehoben. Viel Spaß beim Testen.

Ein kurzer Überblick:

Das erste Video: https://vimeo.com/2 Vimeo-Timeline/Meilensteine: https://vimeo.com/about/timeline

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