Ganz viele Tränen und eine Botschaft - Filmreview "Ein ganzes halbes Jahr"

Das Liebesdrama schafft es, den Zuschauer trotz der Entscheidung der Figur William Traynor nicht komplett verzweifelt aus dem Kinosaal zu entlassen.

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Wer sich “Ein ganzes halbes Jahr” im Kino ansieht, sollte folgendes Equipment zwingend dabei haben: viele viele Tempos. Denn der verfilmte Roman ist ebenso traurig wie schön! Vor allem aber ist der Film eine Liebesgeschichte der ganz anderen Art. Zwar finden sich auch viele Klischees im Film wieder, jedoch vermittelt er auch eine ganz andere und zugleich wichtige Botschaft: im Moment zu leben und diesen Moment zu genießen. 

Wenn Freude und Leid so nah zusammen liegen

“Ein ganzes halbes Jahr” erzählt die Geschichte des schwerbehinderten und komplett pflegebedürftigen William Traynor (Sam Claflin), der sich für die Inanspruchnahme von Sterbehilfe entschieden hat. Jedoch gibt er seinen Eltern das Versprechen, ihnen noch ein halbes Jahr Zeit mit ihm zu geben. Hier kommt Louisa Clark ins Spiel, die ihn über diesen Zeitraum hinweg pflegen soll. Zunächst zeigt sich Traynor sehr verbittert und verschlossen, jedoch gewährt er Clark nach und nach Zugang zu seiner einsamen Welt. Bis sich die beiden schließlich verlieben. Für Clark und auch Wills Eltern steigt die Hoffnung, dass sich er sich für die Liebe und das Leben entscheidet. 

Das Liebesdrama schafft es, den Zuschauer trotz der Entscheidung der Figur William Traynor nicht komplett verzweifelt aus dem Kinosaal zu entlassen. Dies ist vor allem Louisa Clarks Rolle zu verdanken, die durch ihre tollpatschige und doch so liebenswürdige Art einiges an Humor in die so traurige Geschichte einfließen lässt. Vor allem lässt sie den Zuschauer aufatmen, da sie trotz der Geschehnisse nicht den Lebensmut verliert. Ihre starke Seite zeigt sie, indem sie Will auf seinem Weg in den Freitod begleitet. Clarke entpuppt sich dabei als extrem facettenreich und äußerst talentiert. Sam Claflin steht ihr in nichts nach, seine Rolle als nahezu vollständig Gelähmter spielt er erstaunlich glaubwürdig und authentisch.

Der Film vermittelt dem Zuschauer glücklicherweise den Geschehnissen zum trotz den Wert des Moments. In mehreren kleinen und großen Momenten, die William und Louisa gemeinsam verbringen und genießen, wird der Stellenwert des Hier und Jetzt künstlerisch großgeschrieben. Sei es der Besuch in der Oper, Wills erste Rasur seit Monaten oder der Tanz auf der Hochzeit seiner Ex-Freundin - für eine gewisse Zeit vergisst Will sein schweres Schicksal und lebt im Moment - dank Louisa. Herzzerreißend dagegen ist die Szene am Strand, in der William Louisa eröffnet, dass auch ihre Liebe nichts an seinem Entschluss verändern kann. Völlig verständnislos und zutiefst verletzt folgt die Abreise. Doch nach einiger Besinnung ist Louisa stark genug, ihren Freund auf seiner Reise zu begleiten. 

Auch, wenn das Ende des Films nicht gerade als Happy End bezeichnet werden kann, wird der Zuschauer am Schluss ganz friedlich und langsam in die Realität zurückgeholt. Was bleibt, ist die pure Dankbarkeit, gesund zu sein! 

Wir sagen: toller Film. Anschauen! :-) 

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