Konsumgesellschaft - Sind wir hilflos ausgeliefert?

Die sogenannte “Theorie der Kulturindustrie” geht davon aus, dass unser Verlangen nach Konsum gar nicht durch uns selbst, sondern durch die Kulturindustrie entsteht.

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“Ich will, ich will, ich will” -  mindestens ein Mal am Tag “wollen” wir. Dabei sind wir mit Sicherheit davon überzeugt, dass dieses Verlangen nach egal was unser eigenes Bedürfnis ist. Egal ob das neueste Smartphone, die neuesten Schuhe oder das neueste Auto -  alles wollen wir unbedingt haben, am besten sofort. 

Die sogenannte “Theorie der Kulturindustrie” geht jedoch davon aus, dass unser Verlangen nach Konsum gar nicht durch uns selbst, sondern durch die Kulturindustrie entsteht. Wir sind ihr also hilflos ausgeliefert. Max Horkheimer und Theodor W. Adorno kritisieren die Gesellschaft und damit auch uns mit ihrer Theorie aufs Schärfste. Von Natur aus haben wir, wenn es nach ihnen geht, also gar nicht das Bedürfnis, immer das Neueste vom Neuen zu besitzen, dieses Bedürfnis entsteht erst durch die Kulturindustrie. 

Nicht mehr Herr der Dinge

Die beiden Soziologen sind davon überzeugt, dass die Kulturindustrie uns kontrolliert. Genauer gesagt tut sie folgendes: Sie kontrolliert unsere Bedürfnisse und Erwartungen, sorgt dafür, dass wir Kultur nur noch als Ware betrachten und dass wir unsere Vorstellungskraft und Spontaneität verkümmern lassen. Befriedigt werden diese Bedürfnisse und Erwartungen in Form von von der Kulturindustrie bereitgestellten Mitteln, vor allem durch Film und Fernsehen, aber auch durch jegliche andere Medien. 

Wir haben also von Natur aus nicht das Bedürfnis, das neueste Handy zu besitzen. Wir haben auch nicht die Erwartung, dass der neue Bond-Film gut ist. Da wir nur noch konsumieren und rezipieren, verkümmert sogar unsere Vorstellungskraft und Spontaneität. Wir denken nicht mehr nach, hinterfragen nicht mehr. Alles wird hingenommen und akzeptiert. Jegliches Gut hat nur einen Wert, sofern man es eintauschen kann. Die Bedeutung des Objektes ist komplett egal. Wir orientieren uns also nicht mehr am Eigenwert, sondern am Tauschwert von Gegenständen. 

Apologie der Gesellschaft

Dass wir, laut Horkheimer und Adorno, nicht mehr nachdenken und hinterfragen, ist ganz einfach zu erklären: Wir werden berieselt von der Kulturindustrie, von Medieninhalten, von Angeboten. Dadurch werden wir ruhig gestellt. Das meinen die beiden mit der Apologie der Gesellschaft. Wir konsumieren, rezipieren und akzeptieren alles, was uns auf dem Tablett serviert wird. Dadurch vergessen wir die Möglichkeit, das, was uns gezeigt wird, in Frage zu stellen. Wir sind der Allmacht der Kulturindustrie also hilflos ausgeliefert. 

Genau das mache auch den Erfolg von Reality-TV möglich. Das Durchschnittliche wird heroisiert, zum Heldenhaften erkoren. Wir identifizieren uns mit dem Kardashian-Clan, den Osbournes und Frauentausch. 

Echt jetzt?

Wie es mit den Theorien eben so ist, wurde auch diese Theorie heftig kritisiert. Sind wir wirklich so einfach konditionierbar? Vielleicht stimmt nicht alles, was die Theorie der Kulturindustrie besagt, jedoch regt sie mit Sicherheit zum Nachdenken an. Und vielleicht sogar zum Glücklich- und Zufriedensein mit dem, was wir haben - und ohne das, was wir doch eigentlich gar nicht brauchen :-) 

#wenigeristmehr

#alughaberieselteuchnurmitsinnvollemzeug 

 

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