Expertenmeinung gefragt: die neuen Facebook AGB

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Seit dem 31. Januar diesen Jahres gelten bei Facebook neue Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinien. Worauf müssen die User achten? Wer Facebook nach dem 31. Januar aufgerufen hat, hat automatisch den neuen Richtlinien zugestimmt. Es ist zwar leider nicht mehr möglich diesen zu widersprechen, dennoch solltet ihr euch bewusst damit auseinandersetzen, welchen Punkten ihr im einzelnen zugestimmt habt. Facebook hat mehr Transparenz versprochen, wenn es um die Verwendung der eigenen Daten geht. Das hört sich nun tatsächlich erstmal sehr gut an, allerdings sollten auch diese neuen Versprechen mit großer Vorsicht genossen werden. Lest euch das Dokument sehr gut durch. In Zukunft werden eure Nutzerdaten noch genauer gefiltert und für Facebook- und Werbezwecke genutzt. Was hat sich denn nun genau bei Facebook geändert? Datenschutz: Mehr Transparenz beim Datenschutz: Facebook möchte es seinen Usern einfacher machen, wenn es um das Steuern von Inhalten geht. Interaktive Anleitungen ermöglichen es Analysen besuchter Seiten und Apps zu überwachen. Bernd’s Fazit: Schaut euch die Änderungen ganz genau an. Es gilt zu beachten, dass neue Funktionen von Facebook häufig voreingestellt werden. Wenn ihr diesen nicht zustimmen wollt, müsst ihr sie in der Regel abstellen. Dazu müssen Änderungen in den Einstellungen vorgenommen werden. Entweder in den Werbeeinstellungen direkt ( https://www.facebook.com/settings?tab=ads ) oder in den Privatssphäreeinstellungen ( https://www.facebook.com/settings?tab=privacy ). In den Werbeeinstellungen setzt ihr einfach alle Einstellungen auf ‘Niemand’, so dass kein Dritter von den Facebook-Aktivitäten profitiert. In den Privatsphäreeinstellungen kann außerdem kontrolliert werden, wer Chronikinhalte sehen, euch kontaktieren oder euch auf Facebook finden kann. Hier würde ich die Einstellungen ‘Niemand’ oder ‘Freunde’ empfehlen. Durch benutzerdefinierte Einstellungen lassen sich auch Ausnahmen generieren. Allerdings ist davon auszugehen, dass das Unternehmen eure Daten unter Umständen trotzdem auswertet. Standortdaten: Wer in Zukunft seinen Standort teilt, erhält direkte Informationen über Örtlichkeiten in der Nähe. Auch Aktivitäten von Freunden, die ihren Standort veröffentlicht haben, werden dem User übermittelt. Es ist also relativ zeitgenau möglich die Bewegungen anderer User zu beobachten. Bernd’s Fazit: Durch das Erweitern dieser Funktion ist es Facebook möglich, Standortdaten und Werbeanzeigen zu verknüpfen. Wer also keine Werbeinhalte sehen möchte oder nicht will, dass andere den eigenen Bewegungen jederzeit folgen, sollte seine GPS-Funktion im Smartphone ausschalten. Werbung: Wenn es nach Facebook geht, soll Werbung jetzt noch individueller werden. Momentan generieren sich Werbeinhalte noch aus den Likes der Nutzer. In Zukunft sollen aber auch besuchte Websites und Apps in die Werbeanalyse mit einbezogen werden. Doch nicht nur das: ihr selbst könnt auch in Zukunft bewerten, ob euch eine Werbeanzeige anspricht und warum. So ist es Facebook möglich eine Zielgruppe zu generieren und es soll gewährleistet werden, dass ihr nur Anzeigen seht, die für euch von Belang sind. Bernd’s Fazit: Das Social Network ist damit in der Lage einen Großteil eurer Aktivitäten im Netz zu überwachen. Selbst, wenn ihr nur etwas recherchiert, ist die Gefahr groß, dass ihr mit Werbeinhalten zugespamt werdet. Neuheiten: Auch ein Netzwerk wie Facebook ist irgendwann darauf angewiesen seinen Kunden neue Anreize zu schaffen und sie erneut an sich zu binden. Deshalb will das Unternehmen für seine User eine click-and-buy-Funktion einführen. Diese Funktion ist bereits auf einigen Videoplattformen etabliert und dient dazu aufgerufene Inhalte direkt über Facebook zu erwerben. Bernd’s Fazit: Was Facebook hier vor allem wieder einmal gewinnt, ist nicht das Gefallen der User, sondern weitere Nutzerdaten: wie ist das Einkaufsverhalten, wie hoch ist die Bereitschaft Geld auszugeben und welche Zahlungsdaten hat ein User. Diese Neuerung ist aus der Sicht von Datenschützern sehr bedenklich, entwickelt sie doch ein vollkommen autarkes Userprofil. Niemand weiß, was mit diesen Daten passiert und an wen sie gegebenfalls übermittelt (verkauft) werden. Der User: eine machtlose Marionette Mit der Änderung seiner Richtlinien demonstriert Facebook wieder einmal seine Macht innerhalb der User-Community. Diese sind nämlich nicht unbedingt im demokratischen Sinne zu verstehen, geben sie doch dem User keinerlei Chance in irgendeiner Form zu widersprechen. Denn wer sich seit dem 31. Januar 2015 eingeloggt hat, hat automatisch zugestimmt. Es werden immer mehr Stimmen laut, dass der Konzern damit gegen die in Europa geltenden Datenschutzrichtlinien verstoße. Denn der europäische Firmensitz liegt in Irland und hier gelten geringere Datenschutzstandards. Doch diese kommen nur zum tragen, wenn die entsprechenden Daten auch hier verarbeitet werden. Und genau das prüfen europäische Gerichte momentan. Denn: Nach deutschem Recht dürfte der Internet-Tycoon die persönlichen Daten nur verwerten, wenn die User zugestimmt haben. Diese Möglichkeit zur Einwilligung gibt es aber schlicht und ergreifend nicht. Auch ursprüngliche Einstellungen sollten immer wieder nachkontrolliert werden. Es ist nicht sicher, dass Facebook diese nicht zu seinen Gunsten umstellt. So werden Privatsphäre-Einstellungen häufig so voreingestellt, dass Suchmaschinen das Auffinden der Daten ermöglicht wird oder dass einzelne Handlungen des Verbrauchers zu Werbezwecken genutzt werden können, indem Likes gefiltert werden. Die Plattform verdient immerhin mit Werbeanzeigen Geld. Je mehr die Werbung auf den einzelnen Nutzer zugeschnitten ist, umso höher also die Wahrscheinlichkeit, dass der User sie anklickt. Wer zuvor entscheiden konnte, was veröffentlicht oder geteilt wird, wird nun von Facebook auf Schritt und Tritt beobachtet. Da fragt man sich nun, wo denn eigentlich die Privatsphäre bleibt? Die Datenweitergabe lässt sich höchstens begrenzt reglementieren. Über Plattformen wie About Ads oder Your Online Choices lässt sich zwar der Widerspruchscookie setzen, aber ob die Daten dann von Facebook tatsächlich nicht verwendet werden, bleibt unklar. Wem diese Kontrolle nicht reicht, dem bleibt leider nur die Möglichkeit sich vollständig aus dem Netzwerk abzumelden und das eigene Konto zu löschen. Denn anders kann man die Richtlinien leider nicht umgehen.

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