Steve Blank - Mindestanforderungen an dein Produkt

Als StartUp sind Ressourcen wie Geld und Zeit sehr limitiert. Ein Produkt zu entwickeln, das am Ende niemand in der Form haben wollte, kann schnell das Ende bedeuten. Bedenke daher die Mindestanforderungen an dein Produkt und komme raus damit.

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Als wir mit unserer ersten Version von alugha heraus kamen, musste ich einiges an Kritik seitens Kollegen einstecken. Warum ich ein halbfertiges Produkt einfach so herausgeben wolle? Ich würde damit unsere Marke verbrennen. Das Design sei unfertig, es fehlten Funktionen, hier und da würde der Anwender nicht verstehen, wie es ablaufen solle. All das habe ich damals zur Kenntnis genommen, aber die Entscheidung trotzdem so getroffen. Warum aber habe ich so entschieden?

Wir hatten (und haben) ein Pflichtenheft/eine Roadmap an Funktionen, die wir in alugha sehen möchten - jedoch erst nach und nach. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Funktionen am Markt sehr gut ankommen werden, für manche sind diese aber noch zu früh oder unser Lösungsansatz ist eben noch nicht der richtige. Hier und da fehlen auch Grundfunktionen, derer es dringend bedarf, um eben besagte neue Funktionen tatsächlich entwickeln und implementieren zu können. Die Frage wiederholt sich nun: Warum habe ich mich so entschieden, warum haben wir nicht erst einmal alles fertig gemacht und sind dann rausgekommen?

Ein StartUp ist in wichtigen Schlüsselressourcen wie Finanzen, Marketing oder Mitarbeitern in der Regel eingeschränkt und das fängt schon bei ausführlichen Marktanalysen an. Diese sind teuer und sehr zeitaufwendig. Ein StartUp hat jedoch den Charme, dass man auch ein nicht perfektes Produkt auf den Markt bringen darf und anders als bei einem Auto oder einem produzierten Smartphone ist es in der Software sogar von Vorteil. Man kann Updates fahren und das Produkt Stück für Stück verbessern und das gezielt nach den Anforderungen und Wünschen der Nutzer.

 

 

Ich habe damals entschieden, dass wir unseren Player veröffentlichen, auch wenn er zu der Zeit nur auf YouTube funktionierte. Wir haben dadurch so einiges an Erkenntnis erhalten und konnten ihn mit jeder weiteren Version optimieren. Als wir ihn dann auf andere Plattformen erweiterten, stellten wir schnell fest, dass die Grundlage des Players (das Framework) nicht gut genug war. Wir hatten ein wenig an Ressourcen verloren. Hätten wir uns entschieden, erst einmal alles zu entwickeln und keine validen Daten von Nutzern zu bekommen, wäre der Schaden ungleich höher gewesen.

Meine Erfahrung ist, dass man ein großes Ziel haben sollte - eine Vision, die man zu Papier bringt und dann in einzelne Schritte aufteilt. Dabei ist es sehr wichtig, dass wir uns flexibel halten und auch alternative Wege einschlagen können, um am Markt mit unserem Produkt zu reagieren. Sobald wir die Mindestanforderungen an unserem Produkt erreicht haben - bei uns war das der Wechsel der Sprachen im Player, sowie die Möglichkeit, diese so einfach wie möglich über ein kleines Backend hinzufügen zu können - sollten wir es auf dem Markt testen, das Feedback einsammeln und verbessern. Verschwendet nicht zu viel Zeit an Perfektionismus und seid nicht zu detailverliebt, denn das wird euch nur schaden. Ihr werdet immer an einen Punkt kommen, wo ihr die Entscheidung treffen müsst, dass es JETZT losgeht und ihr JETZT die Minimalanforderungen erreicht habt.

Wenn ihr das nicht berücksichtigt, wird es schwer werden für euch. Und noch ein kleiner Rat am Ende: Kritik ist immer positiv, egal, wie sie rüberkommt und von wem. Sie hilft euch, euer Produkt zu verbessern. Nehmt sie an und lasst alles andere, was da so "mitschwingen" mag, außen vor. Und: Kommunikation ist alles!

Dieser Artikel wurde von unserem CEO, Bernd Korz, geschrieben. Mit seiner Erfahrung als Unternehmer und Geschäftsmann, teilt er mit uns seine Sicht der Lektionen von Steve Blank. Folge unserer wöchentlichen Artikelreihe über die Lehren von Steve Blank!

Mehr Information über Steve Blank:

#alugha

#everyoneslanguage

 

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